Glockelinks

 

Fohrenbühler Schellenmarkt
 

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Pfingsten gehört seit jeher zu den Hochfesten der Christenheit, was sich an der Vielfalt des im Schwarzwald entwickelten Brauchtums zeigt. Einer dieser vielen Bräuche, von denen in unserer modernen Zeit immer mehr in Vergessenheit geraten, waren die im Schwarzwald an mehreren Orten abgehaltenen Schellenmärkte.
Übriggeblieben im mittleren Schwarzwald ist davon lediglich noch
 der „Fohrenbühler Schellenmarkt“
Urkundlich nachgewiesen, ist dieser bis ins Jahre 1548, lange bevor die Passhöhe Fohrenbühl (784 m.ü.d.M.) besiedelt war. Hier oben trafen sich die Hirtenbuben, Mägde und Knechte an Ihrem höchsten Feiertag im Jahr (Pfingsten war für das “Gesinde”, wie man die Hirtenbuben, Mägde und Knechte früher nannte, ein höherer Feiertag wie Weihnachten. An diesem Tage musste sogar der Bauer das Vieh und den Stall selbst versorgen), auf Grüner Wiese zum Tausch von “Schellen”, zu gut deutsch: Kuhglocken. Jeder Hirte nämlich war stets bestrebt,
mit einem harmonischen Geläute seiner Herde zu bestechen. Gleichzeitig bot sich hierbei die Möglichkeit, selbstgeschnitzte Flöten, kleinere Werkzeuge und  sonstige Handarbeiten, welche das Hütevolk neben der Bewachung der Herde werkelte, feil zu bieten. Schon um 1900 herum, gesellte sich das erste marktfahrende Volk dazu, und bot neben gewerblich gefertigten Schellen, auch Schleckereien, Strickwaren und anderes nützliches
und unnützen Krimskrams an.
Bis zu Beginn der 50er Jahre, unterbrochen von den schlimmen Kriegsjahren, fand der Schellenmarkt auf und entlang der Passstraße  zwischen dem (heute) badischen Landgasthof “Schwanen”
und dem (heute) württembergischen Adler statt.
Als dann im Zeichen des Wirtschaftswunders der Verkehr auf der Straße immer mehr zunahm, und den Markt, weshalb die Leute eigentlich hier hoch fuhren, beeinträchtigte, wurde Seitens der Behörden ein Ultimatum gestellt: Entweder stellt einer der Landwirtschaftlichen Betriebe auf dem Fohrenbühl geeignetes Gelände  (welches in den 50er Jahren noch einen vielfach höheren ökonomischen Wert als Agrarfläche darstellte wie es heute der Fall ist) 
 zur Abhaltung des Marktes zur Verfügung, oder der Markt wird aus “verkehrstechnischen- und  Sicherheitsgründen” unterbunden.
Der damalige “Jung-Schwanen-wirt
Karl Lauble bot daraufhin, gegen den Willen der Alt-Schwanenwirtin,
welche im Herzen noch Bäuerin war durch und durch, die hinter dem Gasthof Schwanen gelegene Schwanenwiese an. Er selbst klebte mit Freunden auch die ersten Plakate in der näheren und weiteren Umgebung, um den Markt und den Tanz, welcher zur damaligen Zeit noch in den beiden Wirtshäusern abgehalten wurde, bekannt  zu machen.

Wie auch die Gesellschaft sich in den darauffolgenden Jahren durch die aufstrebende Wirtschaftskraft veränderte, so wechselten auch das Gesicht und das Angebot des Marktes. Ende der sechziger Jahre waren die
Menschenmassen, welche zu  Pfingsten auf den Fohrenbühl strömten, längst nicht mehr in den beiden Gasthöfen unterzubringen und zu bewirten.
Schwanenwirt Karl Lauble stellte erstmals ein  Festzelt auf dem Markt auf, nachdem zuvor noch unter freiem Himmel der Gerstensaft ausgeschenkt wurde, engagierte Blas- und Tanzmusik, und baute nach und nach den Schellenmarkt aus, zu einem der größten privat veranstalteten Volksfeste in der Region, welches an schönen Pfingsttagen von mehr als 10.000 Besuchern aufgesucht wird.

Aktuell wird der Schellenmarkt organisiert und veranstaltet durch den jetzigen Schwanenwirt
Hans-Jörg Lauble mit Familie.

Freilich, Schellen gibt es auf dem Markt nur noch wenige, da durch die veränderte Viehwirtschaft kein Bedarf hierfür mehr besteht. Was nicht heißt, dass gelegentlich nicht doch welche “verteilt” werden

 

Schellenmarkt im Jahre 1955

1955
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15.04.2019